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5. Januar 2016

Neue Hartz-4-Beratung in Überruhr

5.1.2016, WAZ Essen – Stadtteile, von Michael Heiße
Die Zahl der Leistungsberechtigten liegt im Stadtteil überdurchschnittlich hoch, weshalb Überruhr in Essen „als Norden des Südens“ gilt. 

Vor über zehn Jahren wurde die Gesetzgebung um Hartz IV aus der Taufe gehoben. Seitdem sind die Probleme der Leistungsberechtigten für das Arbeitslosengeld II (ALG II) mit den zuständigen Jobcentern nicht kleiner geworden. Im Stadtteil Überruhr erreicht der Anteil von Menschen, die Sozialleistungen beziehen, derzeit einen für den Essener Süden überdurchschnittlichen Wert. In Folge dessen bietet die Evangelische Kirchengemeinde Essen-Überruhr daher in Kooperation mit der Sozialpädagogischen Familienhilfe ab dem 13. Januar eine „Offene Hartz-4-Beratung“ an.

Start am 13. Januar

Erster Ansprechpartner ist Jörg Bütefür von der Sozialpädagogischen Familienhilfe, der Hilfesuchende kostenlos berät. Bereits im Jahr 2006 wurde mit dem Aufbau unabhängiger Hartz 4-Beratungen in Essen begonnen. Bütefür selbst ist Mitinitiator des Vereins „BG45 – Hartz4-Netzwerk-Essen“. Dass dies dringend notwendiger denn je ist, beweisen die aktuellen Zahlen, die auf Erhebungen der Stadt Essen basieren. „Überruhr gilt als der Norden des Essener Südens“, sagt Bütefür. „Auch, weil es hier noch billigeren Wohnraum gibt, der Hartz-4-kompatibel ist.“

Demnach bezogen in Überruhr – Stand 31. Dezember 2014 – 1894 Menschen Sozialleistungen, was einem Anteil von 11,7 Prozent entspricht. „Besonders hoch ist hierbei der Anteil der unter 18-Jährigen. Nahezu jedes vierte Kind beziehungsweise jeder vierte Jugendliche ist davon betroffen“, erklärt Bütefür. Insgesamt sind im Stadtbezirk VIII rund 3500 Menschen auf Hartz-4-Leistungen oder Grundsicherung im Alter angewiesen. Was ein Anteil von 6,7 Prozent gleichkommt.

Aus Erfahrung weiß Bütefür, dass die Beratung in Jobcentern oft unzureichend ist. „Mehr als jeder zweite Bescheid ist falsch, meist zu Ungunsten der Leistungsberechtigten.“ Immer wieder tauchen Berechnungsfehler bei den Kosten der Unterkunft (Miete, Heiz- und Nebenkosten), Alleinerziehenden- und Warmwasserpauschale, individueller Mehrbedarf und der Anrechnung von (Erwerbs-)Einkommen auf. Umzugskosten werden zu Unrecht nicht übernommen, Schülern und Studenten Leistungen gar komplett verweigert. „Überlange Bearbeitungszeiten und ,verschwundene‘ Unterlagen gehören zum Alltag“, weiß Bütefür aus anderen Stadtteilen.

Aufsicht durch Fachanwalt

In der Hartz-4-Beratung kann man Bescheide überprüfen und sich zu Problemen mit dem Jobcenter beraten lassen. „Die Beratung wird von einer sozial erfahrenen Person unter Aufsicht des in Essen ansässigen Fachanwalts für Sozialrecht, Jan Häußler, durchgeführt“, so Bütefür. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich; die Unterlagen sollten jedoch möglichst vollständig sein. „So eine Beratungsstelle passt zur s Kirche, die sich gerade für die Bedürftigen einsetzt. Die Einrichtung wurde von unserem Presbyterium begrüßt. Wir werden beobachten, wie die Beratung angenommen wird und ob das Angebot erweitert werden muss“, so Pfarrer Markus Pein.

Die kostenlose Offene Hartz-4-Beratung in Überruhr findet ab dem 13. Januar an jedem Mittwoch von 10 bis 12 Uhr im Stephanus-Gemeindezentrum, Langenberger Str. 434, statt.

Weitere Informationen zum Verein „BG45 – Hartz4-Netzwerk-Essen“ unter www.bg45.de

Die Sozialpädagogische Familienhilfe bietet auch in Huttrop, Borbeck, Werden und Frohnhausen Hartz 4-Beratungen an. Allesamt in Kooperation mit Fachanwalt für Sozialrecht, Jan Häußler.

www.familienhilfe-essen.de/html/hartz4-beratung und www.jan-haeussler.de.

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