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15. Juni 2012

Kunden warten bis zu sechs Stunden in Essener Jobcenter

15.6.2012, WAZ Essen, von Claudia Pospieszny
Im Essener Jobcenter ist kaum Besserung in Sicht: In der Statistik für die Integration Langzeitarbeitsloser belegt die Optionskommune Essen den 53. Platz – von 53 erfassten Städten und Kreisen. Zudem mehren sich Beschwerden, und es gibt noch immer Telefon-Probleme.

Die Beschwerden über die Essener Jobcenter reißen auch fünf Monate nachdem die Stadt die Verwaltung ihrer Langzeitarbeitslosen in Eigenregie übernahm, nicht ab.

7.40 Uhr: Eine Warteschlange hat sich vor dem Jobcenter Bernestraße gebildet. „Die Mitarbeiter tun zwar, was sie können, ich sehe ja, dass sie sich alle Mühe geben, aber vieles können sie einfach nicht beeinflussen. Mal ist ein Computer abgestürzt, dann ist eine angeforderte Bescheinigung, die ich persönlich im Jobcenter in den Briefkasten geworfen habe, nicht angekommen.“ Ein älterer Herr, zwei Wartepositionen vor dem Familienvater, meldet sich zu Wort: „Bei mir war es ähnlich, ich habe das gleiche Papier drei mal eingereicht, weil es nie angekommen ist.“

Rückstaus durch Feiertage

Die Stadt begründet die langen Schlangen an der Bernestraße mit den Feier- und Brückentagen in Mai und Juni, „das hat zu ,Rückstaus’ und einer Erhöhung der Frequenz geführt“, teilt Hartmut Peltz, Büroleiter des Sozialdezernenten Peter Renzel, mit. Insgesamt aber wertet er die aktuelle Entwicklung positiv: „Unsere Statistik zeigt abnehmende Vorsprachen in den Geschäftsstellen.“

Betroffene sprechen hingegen von weiter steigenden Wartezeiten. Hatten die Jobcenter noch vor wenigen Monaten gegen 10 Uhr Hochbetrieb, so machen sich die Kunden heute deutlich früher auf den Weg. „Sonst wartet man hier Stunden. Am Berliner Platz muss man schon Wartemarken ziehen und kann dann ein paar Stunden später wieder kommen.“

Die Schilderungen der Jobcenter-Kunden und das Zahlenwerk der Stadt – sie passen nicht immer übereinander. Auch in diesem Punkt: „Mein Folgeantrag scheint bewilligt zu sein, denn ich bekomme ja Geld“, sagt eine junge Mutter, „allerdings sind es seit zwei Monaten nur noch knapp 250 Euro. Wie ich und mein Kind davon leben sollen, weiß ich nicht.“

Was gekürzt wurde? „Das kann ich nicht nachvollziehen, weil ich den Bescheid noch nicht bekommen habe.“ Seit zwei Monaten warte sie darauf – und mir ihr zahlreiche weitere Menschen. Gut zwei dutzend Betroffene haben sich in den vergangenen zwei Wochen in der Redaktion gemeldet. Und auch die Rechtsberatungsstellen für Hilfeempfänger verzeichnen wegen fehlender Bescheide vermehrten Zulauf.

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